Ein Auszug aus "Finn zwischen Liebe und Gewalt"
Tauchen Sie ein in die fesselnde Welt von Finn. Erleben Sie einen spannenden Moment aus Band 4, der Sie nicht mehr loslassen wird. Bereiten Sie sich darauf vor, von dieser Geschichte gefangen genommen zu werden.
„Hier muss es sein.“ Finn suchte nach der Klingel, fand darauf etwas krakelig geschrieben den Namen KIMBUS und drückte den Knopf. Sie hörten die Glocke im Haus läuten, dann war erst mal Ruhe.
„Soll ich noch einmal drücken?“, meldete sich Melanie.
„Lass ihnen etwas Zeit. Immerhin stehen da plötzlich Fremde vor ihrer Tür.“
Es dauerte noch einen Moment, dann drehte sich langsam der Schlüssel in der Haustür, die öffnete sich nach innen und heraus trat eine schmächtige, schwarzhaarige, ältere Dame mit faltendurchzogenem, verkniffen dreinblickendem Gesicht, aber angenehmer Stimme: „Wie kann ich Ihnen helfen?“
`Das ist doch mal ein hoffnungsvoller Anfang´, dachte Finn noch, als er Melanies Stimme vernahm: „Sind Sie Frau Kimbus?“
„Ja, aber worum geht´s?“
„Ich heiße Melanie und Sie sind meine Oma. Ich bin jetzt zehn Jahre alt und würde sehr gern Sie und meinen Opa kennenlernen.“
„Woher soll ich wissen, dass das stimmt. Und wer ist der Mann an deiner Seite?“
„Das ist mein Papa Finn Krawinkel …“
„… Kriminalpsychologe bei der Polizeidirektion Dresden“, ergänzte Finn. „Ihre Skepsis kann ich durchaus verstehen. Es wird zu viel Unfug getrieben auf unseren Straßen, in unserem Leben. Das erfahre ich selbst ja jeden Tag. Aber hier und heute hat alles seine Richtigkeit. Melanie ist mit der Bitte an Ihre Tochter Kristin herangetreten, sie würde gern ihre Großeltern kennenlernen. Können Sie das einem zehnjährigen Mädchen verwehren, Frau Kimbus?“
„Was ist denn hier los, Hanna?“ Ein untersetzter Alter mit abzählbarer Kopfbehaarung erschien in der Tür.
„Es wird kalt in der Wohnung.“
„Eckehard, das kleine Mädchen dort draußen behauptet, unsere Enkeltochter zu sein. Sie möchte ihre Großeltern kennenlernen.“
„Aber doch nicht bei offener Haustür, Hanna. Kommt erst mal rein in die Stube.“
Melanie hatte ihrer Oma mit schönen Grüßen von ihrer Mama den Blumenstrauß überreicht. Mit den Worten „ich suche gleich mal eine Vase“ war Oma in der Küche verschwunden und zunächst nicht wieder erschienen. Ihr Mann übernahm die Funktion des Moderators:
„Vielleicht stellen wir uns erst einmal richtig vor. Ich bin Eckehard Kimbus, 62 Jahre alt und Buchhalter in einer mittelständischen Tiefbaufirma hier am Ort. Meine Frau Johanna Kimbus arbeitet als Sekretärin in der Stadtverwaltung. Wir haben einen Sohn Jan, der hat BWL studiert und lebt jetzt mit Frau und zwei Kindern in Magdeburg.“
„Dann mache ich mal weiter“, begann Finn just in dem Moment, als Johanna Kimbus mit dem fertig drapierten Blumenstrauß zurückkam. „Ich hatte es schon kurz erwähnt, ich heiße Finn Krawinkel, bin 30 Jahre alt und Kriminalpsychologe bei der Mordkommission in Dresden. Ihre Tochter Kristin, Herr Kimbus, hat dieses wunderhübsche Mädchen zur Welt gebracht, das sich Melanie nennt.“
„Das mag ja alles sein, aber wir haben unsere Tochter seit 20 Jahren nicht mehr gesehen. Was wollen Sie wirklich hier? Uns beerben? Braucht Kristin wieder Geld?“
„Hanna, jetzt hör aber – verdammt noch mal – auf mit diesen Unterstellungen. Wir hätten unser Mädchen nie aus dem Haus werfen dürfen. Sie brauchte damals unsere Hilfe, nicht unsere Vorwürfe. Herr Krawinkel, wie gut kennen Sie Kristin? Wie geht es ihr? Braucht sie Hilfe?“ „Lieber Herr Kimbus, Kristin – ich und alle, die sie länger kennen, nennen sie im Übrigen nur Kim – kenne ich so gut, dass wir uns demnächst das Ja-Wort für eine gemeinsame Zukunft geben wollen. Sie braucht Ihre Hilfe jetzt nicht mehr. Damals hätte sie die gebraucht, um den richtigen Weg ins Leben zu finden. Heute ist sie eine gefragte Grafikdesignerin, die einen festen Job in einer großen Dresdner Werbeagentur hat. Nur unter einem leidet sie bis heute. Sie hat keine eigene Familie mehr. In meiner ist sie herzlich aufgenommen, dort fühlt sie sich wohl. Nur diejenigen, die sie zur Welt gebracht und die ersten Jahre begleitet haben, wollen nichts mehr von ihr wissen. Sie weiß, dass sie damals ein pubertierendes Ekel war, dass sie über die Stränge geschlagen ist. Als Melanie vor zehn Jahren geboren worden ist, hat sie Ihnen einen langen Brief geschrieben, wollte die Eiszeit zwischen Ihnen aufbrechen, sozusagen das Tauwetter einleiten. Eine Antwort darauf hat sie jedoch nie erhalten.“ Eckehard Kimbus nutzte die kurze Atempause von Finn, um sich seiner Frau zuzuwenden: „Von welchem Brief redet er, Hanna? Ich kenne keinen.“
„Das ist zehn Jahre her. Ich habe ihn ungelesen weggeworfen.“
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